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Kinderaugen sehen anders?
 
Traumatherapie bei Kindern aus der Sicht von TRANSFORMA

 
 
Der Alltag
 
Wenn es nicht gerade regnet, geht Frau S. mit ihrem 4jährigen Sohn Philipp ( alle Namen sind geändert, Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufälliger Natur ) neuerdings zu dem Spielplatz im Park.
 
Philipp ist der Jüngste von 3 Geschwistern, die älteren beiden gehen schon in die Schule. Noch vor 2 Wochen konnte P. schon alleine auf dem Spielplatz in der Wohnanlage gehen. Dort spielte er mit seinen kleinen Freunden auf der Rutsche, während seine Mutter ihn aus dem Wohnzimmerfenster beobachten und die Älteren bei ihren Hausaufgaben betreuen konnte.
 
Was war passiert?
 
Als P. fröhlich und stolz mit seinen Freunden Nick und Olaf noch beim Rutschen war, - gleich sollte es für alle bei Frau S. Kakao geben- fiel P. von einer Sprosse der Rutschenleiter. Die beiden Freunde riefen laut nach Frau S.
Sie ließ alles liegen und stehen, rannte nach draußen und nahm ihren Sohn in die Arme. Die Augen schienen weit aufgerissen, ein paar Tränen kullerten aus den Augen. Eine auf der Bank sitzende Mutter, die das Ereignis beobachten konnte, berichtete später Frau S., Philipp sei auf den Rücken gefallen, hätte zwar etwas verwirrt gewirkt, wäre aber gleich wieder aufgestanden.
 
Im ersten Moment so scheint es, ist nicht viel passiert. P. weinte noch nicht einmal. Nach einer Stunde klagte P. über Kopfschmerzen. Kurzerhand ließ Fr. S. die beiden älteren Kinder in der Wohnung zurück, um mit P. in die Kinderklinik zu fahren. Hier brachte die ausführliche Untersuchung keine Anhaltspunkte für innere oder äußere Verletzungen.
Beruhigt fuhren sie wieder nach Hause.
 
Alles vorbei? Es schien so. Nur eines war merkwürdig: P. wollte nicht mehr auf den Spielplatz gegenüber, obwohl seine kleinen Freunde ihn immer wieder riefen und zum Spiel aufforderten; nein, er wollte wenn überhaupt nur in Begleitung seiner Mutter zu dem Spielplatz im Park, wo er in ihrer Nähe im Sand spielte; die vorher so geliebte Rutsche war uninteressant.
 
Das Trauma
 
Unter Trauma versteht man die Folgen von Verletzungen aller Art, d.h. in diesem Fall ist nicht der Sturz von der Rutsche als Trauma zu sehen, sondern die hieraus resultierenden Folgen in dem Leben des kleinen P. und seiner Familie.
Verletzungen können entstehen durch Unfälle, Erkrankungen, Operationen, Mißbrauch, Krieg etc. Neben etwaigen körperlichen Folgen kommt es meist zu einem Schreck.
 
Im Moment des Schrecks ist der Körper in hoher Alarmbereitschaft, Streßsymptome wie Schweißausbrüche oder Zittern treten auf, oft einhergehend mit Gefühlen der Angst. Normalerweise können wir das Ende einer bedrohlichen Situation erkennen: die Streß- Reaktionen bauen sich ab, der Betroffene kehrt in seine Normalität zurück.
 
Oder aber- aus der Angst heraus verändert sich die durch unsere Glaubenssätze geprägte Realität. Ein Gefühl von Kontinuität, Kreativität, Freude und Power wird im Kindes und Erwachsenenalter ermöglicht.
 
Überzeugungen wie ich will, ich kann, ich bin, ich tue, ich habe, ich lebe, ich glaube etc. sind die Basis für eine stimmige Entwicklung gemäß der persönlichen, familiären und soziokulturellen Potentiale.
 
Realität läßt sich erfassen durch Denken, Fühlen, Imagination, Empfinden, Verhalten und Impulse. Auf all diesen Ebenen kommt es im Falle von Trauma zu einer Veränderung, die tiefgreifende Folgen im Leben eines Einzelnen einer Familie einer Gruppe haben kann.
 
Nun lautet das Motto eher: ich bin willenlos, ich kann nicht, nie wieder, ich darf nicht, ich bin verloren, es wird sich nie ändern, ich muß mich rächen, das Leben ist mühsam.
 
Diese Glaubensgrundsätze können verbal geäußert werden, sich aber auch im Verhalten in der Stimmung in körperlichen Symptomen und im kindlichen Spiel zeigen.
 
Zurück zu P. Anhand seiner Symptome wie die Kopfschmerzen insbesondere aber die Tatsache, daß er nicht mehr auf seinen alten Spielplatz gehen möchte, erkennt man, daß P. durch seinen Sturz ein Trauma erlitten hat.
 
Andere Traumasymptome, die Eltern oder anderen Bezugspersonen als Hinweis dienen könnten, sind Schlaf- und Eßstörungen, Schmerzen ohne körperliche Hintergrund, neu Aufgetretene Ängste, Aggressionen, Abwehrverhalten, Alpträume, das Kind kommt jede Nacht zu den Eltern, Dissoziationen etc. ( das Kind wirkt verträumt, abwesend ungeschickt, zurückgezogen).
 
Wie sah die Welt des kleinen P. vor dem Sturz aus. Wir nehmen an, er fühlte sich sicher, war in spielerischen Kontakt zu seinen Freunden, strebte- sich den Rückhalt der Mutter sicher-nach Autonomie und Selbständigkeit. Im Moment des Traumas hat er sein Selbstverständnis sein Spiel und sein Sicherheitsgefühl durch Veränderung seiner Glaubenssätze gewandelt.
 
Spontaneität und Impulsivität veränderten sich zu rigidem Kontroll- und Vermeidungsverhalten, sowie zu Regression. Hier beginnt die ganze Familie in Mitleidenschaft gezogen zu werden.
 
Aus der Angst heraus isoliert sich P. von seinen Freunden und versucht durch die nähere Bindung an die Mutter seine Hilflosigkeit zu überwinden.
 
 
Die Mutter wird in jedem Fall auch reagieren, verschieden Möglichkeiten sind denkbar.
 
1. ihr Lebensmotto war schon immer- da muß man durch-, sie versucht das auf ihren Sohn zu übertragen und reagiert ablehnend auf seine erhöhten Anforderung.
2. oder ich darf meinen Sohn nie wieder alleine lassen, was auch zu einer entsprechenden Verschiebung der gesamten Familiendynamik führen könnte.
3. oder ich schaffe es nicht alleine-, ihre eigene Ohnmacht veranlaßt sie, die Hilfe dritter zu suchen.

Nur die erneute Veränderung der Glaubenssätze im Sinne einer Integration des Erlebten (Sturz) können zu einer Auflösung der Symptome führen, dem Kind zu einer alters- entsprechenden Weiterentwicklung verhelfen und in seine Familie Normalität einziehen lassen.
 
Die therapeutische Auflösung der Folgen von Trauma mit Kindern geschieht im Spiel, beim Malen, Rollenspielen, mit Tieren und Puppen, möglichst unter Einbeziehung der betroffenen Bezugspersonen.
 
Kinder drücken ihre Glaubenssätze im Spiel, durch Verhalten in ihren körperlichen Bewegungen, verbalen Äußerungen, Lachen und Weinen, in ihrem Bezug zu Spielzeugen und dem Umgang hiermit aus. In vorsichtiger Weise nimmt der Therapeut über die ihm gebotenen Spielsituationen, Verhaltensweisen, Äußerungen, Bildern etc. Kontakt zu dem Kind und seinen Bedürfnissen auf.
 
Die Phantasie der kleineren Kinder hilft, in Geschichten, Bildern etc. das Erinnerte so zu verändern, daß z.B. spielerische Hilfe eingebaut und in das jetzigen Erleben integriert werden kann.
 
Auch das häufig Unaussprechbare ( vor Schreck verschlägt es auch den Kleinen die Sprache) kann einen nachträglichen und damit entspannenden Ausdruck über Malen, Körperausdruck, Spiel, Phantasiereisen, Singen finden.
 
Oft findet die in Mitleidenschaft gezogene Familiensituation ( Trauma betrifft selten eine Person alleine) wieder zu Normalität zurück, wenn die ganze Familie oder Einzelne mit in die Therapie miteinbezogen werde; auch Lehrer, Kindergärtnerinnen oder medizinisches Personal sowie die Freunde oder an traumatisierenden Ereignissen beteiligte andere Personen brauchen manchmal eine Hilfe und Integration, so daß ein kooperatives Zusammenwirken wieder spielerisch den Alltag gestalten läßt.
 
In oder nach Akutsituationen ist oft auch eine praktische Unterstützung in der Organisation des Alltags sehr hilfreich!
 

 
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